Bahnhof Neuoffingen
- ein geschichtlicher Rückblick

Bei der Planung zum Bau der Donautalbahn im Jahre 1873 glaubten die Verantwortlichen, den Reisenden zwischen Augsburg und Donautal den Umweg über Günzburg nicht zumuten zu können, so entstand Neuoffingen als Umsteigebahnhof. Ein weiterer Grund war, dass der umfangreiche Geländebedarf für die ausgedehnten Gleisanlagen und die verschiedenen Betriebs- und Wohngebäude dort besser und kostengünstiger gedeckt werden konnte als in Günzburg, zumal in Neuoffingen das gesamte Gelände in einer Hand war.


Bahnhof Neuoffingen um 1900

Der Bahnhof wurde mitten in den Sumpf der alten Donau gestellt. Der Überlieferung zufolge war der Sumpf so tief, dass man selbst mit langen Stangen den festen Grund nicht erreichen konnte. Zur Auffüllung des Geländes mussten große Mengen Erde herangeschafft werden. Neuoffingen wurde zu einem Bahnhof mit neun Haupt- und Nebengleisen ausgebaut, die bis heute das Überholen und Abstellen von Zügen und Wagengruppen ermöglichen.

Der Bau der Strecke Neuoffingen - Donauwörth dauerte zwei Jahre. Am 15. August 1876 wurde die Strecke feierlich in Betrieb genommen.

Parallel zum Ausbau der Gleisanlagen wurden das Empfangsgebäude, eine Güterhalle, ein Büro- und Übernachtungsgebäude, zwei Wohnhäuser, zwei mechanische Stellwerke und der dreigleisige Lokschuppen (später mit Drehscheibe) errichtet.

Gleisplan des Bahnhofs Neuoffingen im Zustand von 1942, 61K

Bis Mitte der 60er Jahre wurden in Neuoffingen Dampflokomotiven gewartet bzw. ihre Vorräte ergänzt. Während hier zu Zeiten der königlich bayerischen Staatsbahn die gängigsten Varianten der Hauptbahnlokomotiven verweilten, waren es in den Reichs- bzw. Bundesbahnepochen überwiegend die Baureihen 38.10, 39, 50, 64 und 86, die hier regelmäßig zu Gast waren.


V200 in den 60er Jahren in Neuoffingen

Im Dezember 1963 wurde das neue Drucktastenstellwerk der Bauart Dr S59 in Betrieb genommen. Damit wurden die beiden mechanischen Stellwerke überflüssig.

Bereits Anfang der dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts wurde die Hauptbahn Stuttgart - München elektrifiziert. Neuoffingen wurde somit Traktionswechselbahnhof von und zur Donautalbahn, was die betriebliche Bedeutung des Bahnhofs nur unterstrich.

Gleichzeitig wurde im Neuoffinger Lokschuppen eine Fahrleitungsmeisterei eingerichtet, die sich bis Mitte der 80er Jahre als selbständige Dienststelle behauptet hat. Ab 1. Juli 1986 war die Fahrleitungsmeisterei nur noch Stützpunkt, Personal und technische Büros wurden nach Augsburg verlegt.

1977 fiel der Beschluss, die Strecke Ingolstadt - Donauwörth - Neuoffingen zu elektrifizieren. Am 2. Juni 1980 wurde der Abschnitt Donauwörth - Neuoffingen in Betrieb genommen. Damit entfiel der Traktionswechsel von Elloks auf zuletzt Dieselloks in und aus Richtung Donauwörth. Die Dieselloks der Baureihen 211, 212, 215 und 218 verloren ihre Leistungen an Elloks der Reihen 111, 140, 141, 150 und 151. Auch 118 des Bw Regensburg und 194 des Bw Augsburg waren zu dieser Zeit in Neuoffingen zu beobachten.

Die betriebliche Bedeutung Neuoffingens schwand zusehends, so dass im Jahre 1988 Neuoffingen aus wirtschaftlichen Gründen aus dem Fahrplan gestrichen wurde. Seit Sommerfahrplan 1988 halten in Neuoffingen planmäßig keine Reisezüge mehr, der vor 121 Jahren begonnene Umsteigeverkehr ist damit zwangsläufig nach Günzburg verlagert worden.

Neuoffingen heute

Die ursprüngliche Bedeutung der Station Neuoffingen ist heute weitestgehend verloren. Während in den Glanzzeiten des Bahnhofs hier 70 Mitarbeiter Brot und Arbeit fanden, ist der Bahnhof heute nur noch mit einem Mitarbeiter, dem Fahrdienstleiter, besetzt.

Das große Bahnhofsgebäude steht als einer der letzten Backsteinbahnhöfe Bayerns unter Denkmalschutz, so dass die DB AG ihre Abbruchabsichten noch nicht verwirklichen konnte. Die Bausubstanz verfällt zusehends, da für die notwendigen Sanierungsmaßnahmen kein Geld vorhanden ist.


Bahnhof Neuoffingen heute







Text: Helmut Klauser/ Frank Lehmann